Die Wallfahrtskirche Kappel

Die Kappelkirche dürfte wohl zu den ältesten Kirchen des Ammertales gehören. Der früheste Bericht, von dem wir wissen, geht auf das Jahr 1450 zurück. Laut Visitationsbericht von 1707 wurde die Kirche aus Anlass eines "wunderbaren Ereignisses" errichtet. Das Wallfahrtsheiligtum das im Zusammenhang damit, ist allerdings im Spanischen Erbfolgekrieg 1703 durch Raub verloren gegangen. Es war vermutlich ein eucharistisches Heiligtum, wie der Name "Heilig Blut" zum Ausdruck bringt; zudem wurde das Hauptfest immer an einem Donnerstag gefeiert (dem Tag der Einsetzung des Altarsakramentes). Die heutige Heilig-Blut-Reliquie kam erst 1734 aus Italien nach Unterammergau.

Unmittelbar vor dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges, im Jahre 1618 wurde die Kapelle durch ein neues Langhaus vergößert. 1680 baute Johann Schmuzer aus Wessobrunn den Chor neu und um die Mitte des 18. Jahrhunderts hat Franz Xaver Schmuzer dem Raum ein einheitliches Gewand gegeben. Nach der Säkularisation sollte die Kappel als unnötige Kirche abgebrochen werden, was die Bewohner des Dorfes aber verhindern konnten.

Von besonderer Bedeutung sind die Fresken der Kirche. Der Oberammergauer Maler Franz Seraph Zwink hat sie 1779 gemalt, aus einer inneren Beziehung zur Kappel heraus, in der sein Vater Johann zeitweilig Mesner war. Das Die Fresken und das Hochaltarbild bilden eine thematische Einheit und stellen Kreuz und Leiden des Erlösers dar. Das Hochaltarbild (gemalt von Jonas Umbach aus Augsburg 1687) stellt die Kreuzigung Christi dar und das Fresko im Schiff den Abschluß des Leidens Christi, die Abnahme vom Kreuz. Gerahmt wird das Fresko von kleinen Medaillons in den Gewölbezwickeln, in denen die Leidenswerkzeuge Jeus dargestellt sind (auch arma Christi genannt, Waffen gegen das Böse).

In zwei Kartuschen neben dem Langhausfresko wird das Thema nochmals in einen biblischen Rahmen gestellt: Das Lamm aus der Offenbarung des Johannes (Offb. 5 und 14) erinnert daran, dass mit dem Tod Jesu sein Siegeszug über das Böse begonnen hat - und die eherne Schlange im Westen des Fresken erinnert daran, dass jetzt auch die Erwartungen des Alten Bundes eingelöst sind.

Auch die beiden Seitenaltäre fügen sich ein in das Thema der Kirche. Links ist die große Büßerin Magdalena dargestellt, rechts das Martyrium des heiligen Vitus, einer der vierzehn Nothelfer.

 (Text aus dem Kirchenführer von Prof. Dr. Hans Pörnbacher)